Die neue Art des Campens

Aktualisiert: Juni 17

Wenn wir heute, in Zeiten von Corona, von unseren Reiseplänen erzählen - mehrere Monate im selbst ausgebauten Camper durch Europa - ernten wir vor allem bei der älteren Generation oft ungläubige Blicke; „Die Campingplätze sind doch in vielen Ländern geschlossen?“ - Stimmt. Dass die Campingplätze für uns aber gar nicht unbedingt eine grosse Rolle spielen, ist vielen dabei nicht klar - wieso auch? Stellt man ihn sich nicht genau so vor, den typischen Campingurlaub? Von einem Campingplatz zum nächsten tingeln oder am besten gleich zwei Wochen auf derselben Anlage stehen und den Dauercampern Gesellschaft leisten. Diese Wunschvorstellung des Campingurlaubs gilt für viele heute nicht mehr.


Bilder: Lucien Marti - Mehr auf Instagram


Klar: je nach Ausstattung des Wohn- und Reisemobil's ist man spätestens zur Wahrung angemessener Hygienestandards ab und an gezwungen, einen Platz mit sanitären Anlagen aufzusuchen - schliesslich möchte man seine Mitreisenden nicht mit unangenehmen Düften belästigen. Doch abgesehen davon suchen immer mehr Reisende vor allem die Möglichkeit flexibel und spontan zu sein. Das pure Gegenteil also von Reservierungen und Mindestübernachtungszeiten. Und viele suchen das, was es auf den meisten Campingplätzen eher nicht gibt; die Ruhe, das Alleinsein, die Abgeschiedenheit und das einfache, sehr reduzierte Leben.



Der Trend zum Minimalismus macht auch vor der Welt des Campens nicht halt. In einer Zeit, in der nahezu alles immer und überall verfügbar ist, verliert All inclusive und das abendliche Entertainment Programm seinen Reiz und überfüllte Plätze und Menschenmassen sind spätestens seit Corona für die meisten ein Horror.


Camping heisst der Natur nah zu sein, bescheidener zu leben, geerdeter und wenig abgelenkt zu sein. Diesen Wunsch an die „Auszeit im Camper“ teilen viele. Doch wohin mit der „neuen Art des Campens“? Die heutige Infrastruktur der meisten Tourismusregionen bietet dem Trend noch wenig Platz - Parkflächen sind gesäumt von Verbotsschildern - selbst wenn viele der Flächen nachts leer sind und ein Camper dort niemanden stören würde.



Es fehlt vielen potenziellen „Gastgebern“ die nötige Plattform; eine Basis, die Vertrauen auf beiden Seiten schafft, Grenzen zieht und Leitlinien vorgibt. Die Angst vor ungebetenen Gästen, Überfüllung, zurückgelassenen Müllbergen und nächtlicher Ruhestörung ist zu gross. Zu wenig Kontrolle wäre da über das, was passiert könnte, wenn das Verbotsschild entfernt werden würde.


Doch genau hier liegt für alle beteiligten Partien die grosse Chance. Die Chance auf eine sinnvolle Nutzung leer stehender Flächen, auf flexible und verfügbare Stellplätze und auf neue Kontaktpunkte zwischen den Tourismusgebieten und den Campern. Und die Chance auf einen Raum für die neue Art des Campens.



Autorin: Melina Kiefer -Mehr auf Instagram


Bilder: Lucien Marti - Mehr auf Instagram


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