Stellplatzempfehlung: Gut gemeint aber schlecht fürs Camper-Image.

Abgeschiedenheit, unberührte Natur, den See und die Berge direkt vor dem Camper. Raus aus dem hektischen modernen Alltag, rein in die Gelassenheit der Wildnis. Für immer mehr Schweizer und Schweizerinnen ist diese Freiheit zum ultimativen Luxus-Gefühl geworden. Wer einen solchen Spot in der dicht besiedelten Landschaft findet, freut sich über sein Glück und kann es kaum erwarten den neu entdeckten Traum-Ausblick mit Bekannten und anderen Campern zu teilen. Geo Tagging ist hier das Schlagwort der Stunde. Auf Social Media und Apps wie park4night geben viele Nutzer die genauen Standorte von Stellplätzen fernab der offiziellen Campingplätze an. Was auf den ersten Blick als gut gemeinte Empfehlung scheint, ist aber oft der Ursprung eines grossen Problems für die betroffenen Gemeinden, Anwohner und uns Camper selbst.




Denn auf das Geo Tagging folgen leider immer mehr Naturbegeisterte und der Geheimtipp wird in kurzer Zeit zum überfüllten Hotspot. Immer mehr Bewertungen der User und immer mehr perfekt bearbeitete Bilder auf Instagram lassen den Ansturm weiter wachsen. Bis die Belastung für die Natur & Menschen in der Umgebung zu hoch wird und die Politik mit Verboten und anderen Massnahmen eingreifen muss. Prominente Schweizer Beispiele für solche “Geo Tagging Problemfälle” sind zum Beispiel das Tessiner Verzascatal oder das Diemtigtal im Berner Oberland.


Die Problematik mit den “Wildcampern” hat in letzter Zeit ein solches Ausmass angenommen, dass der Schweizerische Alpen Club (SAC) eine Sensibilisierungskampagne zum Thema ins Leben gerufen hat. Camper sollen darauf aufmerksam gemacht werden, wie sie sich unterwegs am besten verhalten. Ein zentraler Punkt dabei: #nogeotag. Werden keine genauen Standorte geteilt, konzentriert sich die Nachfrage weniger und es kommt seltener zu Konflikten. Wer seinen Standort für die Nacht hingegen auf park4night teilt muss damit rechnen dass er an diesem Platz bald nicht mehr die gesuchte Ruhe hat oder sogar ein Parkverbot die Einfahrt schmückt.


Nebst dem Aufruf auf den Geo Tag zu verzichten rät der Alpenverein sich im Voraus über die lokalen Vorschriften zu informieren, sich vor Ort so diskret wie möglich zu verhalten, den eigenen Abfall wieder einzupacken und mit Einkäufen beim lokalen Gewerbe die Wertschöpfung in der Region zu fördern. Empfohlen wird auch die bevorzugte Nutzung von bezahlten Stellplatz Angeboten auf Plattformen wie Nomady und parknsleep. Der grosse Vorteil dabei: Der Anbieter kann die Kapazität festlegen und so die Anzahl der Camper regulieren. Diese Beschränkung ist auch für mich der entscheidende Aspekt wenn es um nachhaltige Lösungen bei Camper Stellplätzen geht. Denn nur wenn die Regionen sich dem boomenden Wohnmobiltourismus aktiv annehmen und ein kontrolliertes, attraktives Angebot schaffen, können alle Beteiligten und nicht zuletzt die Natur davon profitieren.

575 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen